Seine Entwicklung

Die barocke Stadtanlage von Bartenstein in Hohenlohe

Bartenstein ist in Deutschland einmaliges Bei­spiel einer ge­­planten, rein barocken Klein­residenz. Der Name des Ortes geht auf das 1234 urkundlich erwähnte Ge­schlecht der Ritter von Bartenstein zurück mit ihrem Herr­schafts­sitz auf dem Schloss über dem Ettetal. Ab 1300 erhielten sie die Gerichtsstätte Riedbach, später weitere um­liegende Ortschaften zum Lehen. Dies war der Kern des Amtes Bartenstein. Bis Mitte des 15. Jahrhunderts wechselten die Besitzer in rascher Folge. So waren hier nach­einander die Adels­familien Seldeneck, Rosenberg und Horneck von Hornberg ansässig, die den Namenszusatz " zu Bartenstein" trugen. 1456 erhielt Graf Albrecht von Hohenlohe das Schloss Bartenstein mit all seinen Ort­schaften und Rechten zum Lehen. Ab dieser Zeit verwaltete ein hohenlohischer Burgvogt von hier aus das Amt Bartenstein. Während der Bauernkriege 1525 und im 30-jährigen Krieg wurde das Schloss mehrfach zerstört. Ein Ort Bartenstein existierte damals noch nicht.

1686 erfolgte die Teilung von Hohenlohe-Waldenburg in die Grafschaften Schillingsfürst und Bartenstein. Graf Phillip Carl erhielt Schloss Bartenstein als zukünftige Residenz mit den Ämtern Schnelldorf und Bartenstein. Danach wurden die maroden Schlossgebäude auf dem westlichen Bergsporn nach und nach hergerichtet. Ab 1720 entstanden die ersten Häuser der Handwerker und eine Ziegelei im Osten der Schlossstraße. Das zugehörige Städtlein wurde auf den imposanten Schlossbau ausgerichtet. Ludwig Leopold residierte von 1763 bis 1798 als erster Fürst mit seinem Hofstaat ständig in Bartenstein.

Hofmeisterhaus in Bartenstein - Andrea Gallasini

Zum Hofstaat gehörten vom Hofmarschall über Hofmusikus, Apotheker und Arzt bis zum Küchenjungen etwa einhundert Bedienstete. Fürst Ludwig Leopold verdanken wir den Ausbau von Schloss und Ort zur barocken Gesamtanlage. Die Baupläne dazu lieferte der Fürstbischöflich-Fuldaische Hofbaumeister Andrea Gallasini. Der hochbetagte italienische Architekt wirkte von 1760 bis zu seine Tod 1766 in Bartenstein. Die Gebäude der Schlossstraße wurden als Wohn- und Amtshäuser für Hofbediente und Handwerker mit Hofprivileg angelegt. Die Vergabe der Häuser erfolgte nach der Stellung der Bewohner innerhalb Hierarchie der Residenz. Je höher die Stellung im Hofstaat, umso dichter wohnte man am Schloss. Am Schlossplatz stehen stattliche Gebäude, die mit dem Schloss eine Einheit bilden. Dort wohnten die höchsten Hofbeamten wie Hof-marschall, Mundschenk, Tafeldecker, Leibarzt und Richter. Bis 1800 präsentierte sich die Stadtanlage als „Stein gewordenes Abbild des barocken Hofstaates einer hohenlohischen Kleinresidenz“ (Zitat Dr. Hahn, Landesdenkmalamt).

Das Riedbacher Tor in Bartenstein

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts führten Aufgabe der Hofhaltung, Übernahme der Regierungsgeschäfte durch Württemberg, lange Kriegsjahre, Truppendurchmärsche und Hungersnöte zu einem rasanten wirtschaftlichen Niedergang. Nur durch die Anstrengungen der Bürger entwickelte sich der Ort langsam wieder zum regionalen Zentrum. Noch um 1960 gab es ein reges Gewerbetreiben. In nahezu jedem Haus fanden sich Handwerksbetriebe oder kleine Geschäfte. Bis zu 9 Gaststätten, ein Krankenhaus, Ärzte, Tier- und Zahnarzt, Apotheker, Schulen, Gesangs- und Sportvereine, Geflügel- und Kleintierzucht waren hier zu finden. Die zahlreichen Kinder konnten im Ort Haupt-, Realschule und Kindergarten besuchen. 1972 erfolgte die Gemeindereform, Bartenstein musste seine Stadtrechte an Schrozberg abgeben. Nun wurde es ruhig im Ort.

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