Der Hornungshof

Der Hornungshof umfasst heute eine Gruppe von 5 Häusern, die unmittelbar an die Gemarkung Bartensteins angrenzen, aber zu Riedbach gehören. Diese Ansiedlung wird im Gültbuch von 1420 erstmals urkundlich fassbar. Zu diesem Zeitpunkt ging der Besitz von Hans von Seldeneck an Cuntz von Rosenberg über.

 

Hornungshof
Gebäude auf dem Hornungshof 1838 (Archiv Schrozberg)


Vor und nach dem 30-Jährigen Krieg lebten auf dem Hornungshof jeweils zwei Bauern mit ihren Familien. Im evangelischen Kirchenbuch von Ettenhausen sind ab 1610 regelmäßig Geburten auf diesem Gehöft aufgeführt, in den Jahren 1667, 1679, 1681 und 1694 finden sich auf dem Hof sogar jeweils 3 Geburten im Jahr. Im Jahre 1838 hatte der Hof 28 Bewohner, 1998 waren es nur noch 10 Bewohner.

Der Hornungshof war Schafhof. Im Winter wurden die Tiere in den großen Schafscheuern in Bartenstein untergebracht. Das Privileg der Schafgerechtigkeit gehörte in frühesten Zeiten zum Hause Hohenlohe, danach zu Hohenlohe-Bartenstein. In der Oberamtsrechnung von 1764 erlöste die Hofkanzlei durch Verkauf von Schafwolle und Hammel an den Juden Nathan von Niederstetten 196 Gulden (Jahresverdienst Oberstallmeister von Tettenborn 200 Gulden). Vor 1766 war der Hof Eigentum des Fürstenhauses und wurde verpachtet. Als sich jedoch die Streitigkeiten mit den umliegenden Gemeinden wegen des Schaftriebes häuften, wurde dieser Betriebszweig „privatisiert“. An den folgenden Beispielen kann man erkennen, dass die Streitigkeiten über einen langen Zeitraum immer wieder aufflackerten. Zwischen Gemeinden und selbst zwischen den Hohenloher Seitenlinien sorgten sie immer wieder für Zündstoff:

1552 Schlichtung von Streitigkeiten zwischen den Schäfern Martin Mitschelin zu Langenburg und Endris Sachs vom Hornungshof über Triebrechte auf den Markungen Billingsbach und Raboldshausen; Beschwerde des Amtmanns von Bartenstein wegen der Pfändung von zwei Hammeln des Schäfers auf dem Hornungshof durch die Gemeinde Billingsbach.

Im Jahr 1589 ist einer der Triebwege für Schafe dokumentiert. Die Schäferin Münz klagte ihre Triebrecht ein, das darauf im Gültbuch verbrieft wurde. Sie durfte fortan ihre Schafe wie folgt treiben: Vom Hornungshof die Obersteig (Alte Steige), unterhalb vom Schloss und oberhalb Ettenhausen über das Brücklein (Gütbach) durch den Eichelberg in die Reichertswiesener Güter, in die Reckenfelder Markung, die Landstraße bis Gütbach, dann nach Sichertshausen, aber nicht durch Sichertshausen, und Eichswiesen über Weylerhof, Zell, aber nicht durch den Ort, dann in die Leupoldweiler Markung (Wüstung zwischen Riedbach und Kälberbach). Diese Festlegung wurde vom Amtsvogt von Öhringen und dem Schultheiß von Sindringen genehmigt.

1701 Triebrecht des Schäfers zu Hornungshof auf der Markung Billingsbach; Vertrag zwischen Hohenlohe-Ingelfingen und Hohenlohe-Weikersheim über die Beilegung von Weidgangstreitigkeiten zwischen dem Bühlhof und der Gemeinde Dörrenzimmern.

Durch eine glückliche Fügung hat auf dem Hornungshof ein Schäferbuch mit Einträgen von mehr als 150 Jahren die Zeit überdauert. Nachkommen erlaubten uns die Auswertung des wichtigen Dokumentes. Die Aufzeichnungen geben Einblicke in den Alltag der Schäfer vom Ende des 18. Jahrhunderts bis in die Jahre nach dem 2. Weltkrieg. Die Aufzeichnungen beginnen 1783 und vermerken Ereignisse vom Leben der aufeinander folgenden Familien Hollacher, Gehring, Metzger und Wunderlich, die miteinander verwandt oder verschwägert waren. Das Schäferbuch enthält die Kaufurkunden ihres Teiles des Hornungshofes und verzeichnet auch Geburten und Schicksalsschläge. Die Übergabe an den Nachfolger mit den Bedingungen des Ausgedings (Altenteils) regelte ein Vertrag von 1808. Dabei wurde das Wohnrecht und die jährliche Versorgung der Eltern mit Korn, Fleisch, Kraut, Eier, Milch, Schmalz und Kartoffeln festgelegt. Dabei zeigt sich, dass sich die Menschen rasch an die Kartoffel gewöhnten. Ebenfalls im Buch vermerkt ist die jährliche Anzahl der verkauften Schafe, die Größe der Herde, wo einzelne Gruppen von Schafen standen, Verlust- und Todesfälle, sowie die Aufstellung der Pferche. So standen 1837 Schafe in Blaufelden, Heuchlingen, Herbsthausen, Mäusberg und Sichertshausen. Der Schäfer zeichnete auch besondere Ereignisse auf:

“Im Jahr 1879 hatten wir am 14. Juli abends 4 Uhr Gewitterschlag, dass die Kissel (Hagelkörner) schuhoch gelegen (1 Schuh = 30 cm), was gewachsen war, ist zugrund gerichtet, kein Laub mehr auf den Bäumen, drei Wochen kein Gras mehr zu holen. Gott möge uns und unsere Nachkommen von solchem Unklück behüten.“

Schäfer waren bei der Bevölkerung gefragte Ratgeber für Voraussagen zum Wetter. Sie hatten auch allerlei Kenntnis bei Erkrankungen und waren oft Hersteller von Heilsalben oder Tinkturen. Auch aus dem Nachlass der Hornungshofer Schäfer haben sich Ratschläge bei Gesundheitsproblemen erhalten. Es sind Rezepte für Behandlung bei Gliederschmerzen, Zahnweh, Verrenkungen, Fieber bei Mensch und Vieh vermerkt. Bei Zahnweh wird ein Verfahren empfohlen, dessen Wirkung heute fraglich erscheint, indem mit Schwefelkohlenstoff und einem Glas von der Wange aus die schmerzende Stelle zu behandeln ist. Hier weitere Rezepte:

„Kampfersalbe ist ein gutes Mittel gegen Kreuzweh, Vor Verrenkung eines Gliedes, nimm Gersten Mehl, Kleie, Butter und Essig, indes so viel, mache daraus ein Pflaster, streiche es auf ein Tüchlein und legs warm über“

Ab 1848 konnten sich die Bürger von den Abgaben an die Grundherrschaft auslösen. Schäfer Philipp Gehring hat am 21.6.1851 einen Grabenacker von der jährlichen Geldgült, Korngült und Hafergült abgelöst, er zahlte der Grundherrschaft Hohenlohe-Langenburg 8 ½ Gulden und war danach von Lasten befreit. In den Unterlagen des Hohenlohe Zentralarchivs finden sich dicke Aktenbündel über anfallende Weide– Streitigkeiten. Dabei sind Namen von Bewohnern des Hornungshofes genannt:

1552,1572   Endris Sachs, Schäfer
1634   Jacob und Michael Müntz, zwei Schäfer
1648   Michael Müntz, Schäfer und Hans Thierauch
1766   Dettelbacher Johann aus Gerlachsheim, Pächter der Hohenlohe-Bartensteinischen Schäferei Hornungshof
1784,1791   Eva Barbara Grün, Einlösung ihres Gutes durch die Herrschaft und Zerschlagen des Gutes
1793   Adam Heilmann
1793   Hölzlein, Schäfer und Georg Michael Hollacher, Kaufbrief
1801   Zehntverhältnisse des Guts des Matthes Speckert zu Hornungshof
1808   Johann Georg Abel, Stiefsohn von Hollacher, Zeller
1817-1821 Joseph Mitsch, Schäfer
1817 Barbara Gering geb. Hollacher
1834,1855   Philipp Joseph Gehring, auch manchmal Gehrig geschrieben
1858   Dorothea Gehring mit ihrem Verlobten Johann Metzger
Zum Speckartshof südlich vom Hornungshof:
1833   Klage des Georg Friedrich von Speckartshof gegen Veit Prümmer und Andreas Thierrauch vom Hornungshof wegen der Überfahrt über die sog. Wasenwiese des Friedrich
1845   Verkauf des Speckhartshofs durch Johann Friedrich zu Speckartshof an Leonhard Thierauch und Johann Brümmer, beide zu Hornungshof

Wengertshof:
Der tief im Gütbachtal gelegene Wengertshof gehörte zur Gemarkung Ettenhausen. Der Name scheint sich wohl vom anschließenden Weinberg „Wengert“ her zu leiten. 1834 findet sich im Urkataster am Bachlauf und auf halber Anhöhe eine Gebäude. Das Gehöft auf halber Anhöhe ist um 1920 abgebrannt. In den Oberamtsrechnungen taucht sehr häufig der Familienname Wengert auf. Ob die Namen etwas mit dem Hof zu tun haben, ist nicht geklärt.

Auszug aus: Anne und Claus Reimann,
Bartenstein wie es früher war, von Handwerkern, Hofräten und Lakeien

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