Kirchen um Bartenstein

Berühmte Baumeister schufen Kirchen im Umland von Bartenstein

Andreas Gallasini lieferte die Pläne für die evangelische Kirche in Riedbach, Johann David Steingruber die Pläne für die evangelische Kirche in Ettenhausen.

Kirchen um Bartenstein - Evangelische Kirche Riedbach

Aus dem Kirchenbuch der evangelischen Kirche Riedbach 1743:

„Am 2. August 1743 gab es mittags von 3 bis 5 Uhr ein schweres Gewitter. Ein Blitz schlug in die Kirche, den Kirchturm und in den Eckstock beim Pfarrhaus ein. Der Blitz schlug in die Tiefe des Kirchenfundaments und zerstörte Altar und Gewölbe. Am Altar fanden sich Brandspuren, die aussahen wie ein biblisches Menetekel mit Schrift an der Wand. Der Eckstock flog auf Albigs Scheuer, die zerschmettert wurde. Unzählige Bruchstücke flogen weit bis in die umliegenden Äcker.“ So liest sich der Eintrag des damaligen Pfarrers über die damaligen Geschehnisse. Außer der Kirche wurden im Ort weitere Häuser zerstört. Auch die Gaststätte zum Stern, die heutige Riedbacher Brauereigaststätte. Wegen der schweren Schäden, die als Strafe Gottes angesehen wurden, hielt der Pfarrer in der nachfolgenden Zeit zahlreiche Bußgottesdienste ab.

Die erforderlichen Renovierungsarbeiten konnten den Verfall der Kirche nicht aufhalten. Die Kirchen­gemeinde stellte mehrere Bittgesuche an das Fürstenhaus Hohenlohe Bartenstein. Fürst Ludwig Leopold genehmigte schließlich den Neubau der Kirche und übernahm die Baukosten. 1762 lieferte der ehemalige Fürstbischöflich Fuldaische Hofbaumeister Andreas Gallasini die Risszeichnungen. Er erhielt dafür 1250 Gulden. (Eine Haushälfte am Schlossplatz in Bartenstein kostete zur gleichen Zeit 500 Gulden, das Jahresgehalt des Hofmarschalls von Bartenstein betrug 300 Gulden) Der exakte Bauauftrag mit den einzelnen Bauabschnitten hat sich im Hohenlohe Zentralarchiv Neuenstein erhalten, die Bauzeichnungen sind leider verschollen. Hofmaurermeister Andreas Bader aus Bartenstein arbeitete eng mit Gallasini zusammen. Die marode Kirche wurde bis auf die Grundmauern abgerissen und das Kirchenschiff erhielt die heutige achteckige Form. Die Innenausstattung der Kirche, der Altar und die Orgel finanzierte die Kirchengemeinde mit Spenden. An der großen Einweihungsfeier nahm Baumeister Andreas Gallasini in seiner Eigenschaft als Hohenlohisch Bartensteinischer Baudirektor teil. Er starb 1766 hoch betagt im Alter von 86 Jahren in Bartenstein.

 

Die evangelische Kirche von Ettenhausen:

Bereits um 1750 klagten die Bürger von Ettenhausen über den steten Verfall ihrer Kirche.

Kirchen um Bartenstein - Evangelische Kirche in Ettenhausen

Das Gebäude wurde zwar wiederholt notdürftig renoviert, aber ein Neubau schien unausweichlich. 1784 genehmigte Fürst Ludwig Leopold zu Hohenlohe Bartenstein einen Neubau. Die Kirchengemeinde sammelte für die Baumaßnahmen 400 Gulden. Die Kollekte wurde der Hofkammer von Bartenstein übergeben. Die Grundsteinlegung für den Kirchenumbau ist im evangelischen Kirchenbuch von Ettenhausen ausführlich beschrieben.

1785 begann der Umbau der Kirche nach Plänen des Ansbach-Brandenburgischen Hofbaumeisters Johann David Steingruber. Von diesem stammt auch das Konzept der Kanzelwand im Markgrafenstil, das in der Kirche von Ettenhausen umgesetzt wurde. Hofbaumeisters Ernst aus Bartenstein überwachte die Baumaßnahmen. Kirchenschiff und Kirchturm wurden nahezu vollständig abgetragen. Nur die meterdicken Mauern im unteren Teil des Turms sind Reste vom trutzigen Bauwerk des 13. Jahrhunderts. 

Kirchen um Bartenstein - Evangelische Kirche in Ettenhausen Kanzelwand

Seit ihrem Umbau ist die Ettenhauser Kirche im Stil des ländlich regionalen Barock mit klassizistischen Einflüssen ausgestattet. Damals entstand auch die eindrucksvolle Ansbacher Kanzelwand, bei der Altar, Kanzel und Orgel mit Orgelprospekt übereinander angeordnet sind. Die Idee dieser Kanzelwände entstand in Ansbach und Bayreuth im 18. Jahrhundert und geht auf Baumeister Johann David Steingruber zurück und wird Markgrafenstil genannt. Die qualitätvolle Bemalung der Kanzelwand, die Vergoldungs- und Holzarbeiten führte der fürstliche Hofmaler Martin Emmert aus Bartenstein unentgeldlich als persönliche Spende aus. Damit die Kirche mehr Besucher fassen kann, entstand auch die große Empore. Die Kirchenbänke auf der Empore gegenüber der Kanzelwand waren für die männlichen Besucher bestimmt. Die Orgel erbaute Philipp Heinrich Hasenmeier aus Kirchberg/Jagst. Die Inschrift am Südportal erinnert an den Auftraggeber des Umbaus von 1785, den Fürsten Ludwig Leopold von Bartenstein.

 

Text Anne und Claus Reimann,
Fotos Metzger/Reimann

 

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