Archiv 2016

St. Nikolaus – Der Mythos und der Mistlauer Altar

Ausstellung im Sandelschen Museum

Nikolauskirche in Mistlau - Foto: Dr. EppeNikolauskirche in Mistlau - Foto: Dr. Eppe

Kinder werden auch in diesem Jahr am 6. Dezember wieder erwartungsvoll ihre Zimmertür öffnen und nachschauen, ob der Nikolaus am Vorabend Gaben in ihren geputzten Stiefeln hinterlassen hat. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter dieser Tradition?

Sie geht auf die Legenden zweier Heiliger mit Namen Nikolaus zurück, deren Wundertaten miteinander verwoben wurden: die des Bischofs von Myra, der um 350 n. Chr. an einem 6. Dezember gestorben sein soll, sowie die des Abts von Sion und späteren Bischofs von Pinara, dessen Todestag auf den 10. Dezember 564 datiert wird.

Die Verehrung für den heiligen Nikolaus breitete sich ab dem 7. Jahrhundert über den gesamten Mittelmeerraum aus. Von einer Italienreise nahm Bischof Liudger die Heiligenlegenden mit nach Münster und gründete um 800 die erste Nikolauskirche nördlich der Alpen. Seit dem späten Mittelalter sind dem Heiligen überall in der christlichen Welt Kapellen und Kirchen geweiht worden. Allein im Bistum Würzburg stehen etwa 30 Kirchen unter seinem Patronat.
Nikolaus ist der Schutzheilige der Jungfrauen, der Seeleute, Pilger, Gefangenen, Müller, Weinhändler, Notare und Bäcker – um nur einige zu nennen.

Eine Nikolauskapelle gibt es auch in der kleinen Jagsttalortschaft Mistlau, die Kenner wegen ihrer reichen Ausmalung schätzen. In der Kirche war auch ein spätgotischer Altar aus der Zeit um 1500 mit einer Nikolaus-Figur und der Legende von der Errettung der drei Jungfrauen auf einem Flügel. 1886 verschenkt die Kirchengemeinde den Altar „in Folge einer mündlichen Verhandlung“ an die „Sammlung vaterländischer Altertümer“ des Königreichs Württemberg in Stuttgart. Bis vor einigen Jahren war er eines der Prunkstücke der ständigen Ausstellung im Landesmuseum im Alten Schloss. Dann verschwand er im Magazin und ist seither für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich. Da nach Ansicht des Landesmuseums der Altar nicht mehr transportfähig ist, wurde er für diese Ausstellung nachgebaut, sodass man ihn in Originalgröße mit allen geschnitzten und gemalten Darstellungen sehen kann. Dazu kommen jetzt nach 125 Jahren aus dem Altar die Figur des Nikolaus und drei Jungfrauen (Reliquienbehälter) nach Kirchberg zurück.

NikolausaltarNikolausaltar

Die Ausstellung erzählt auch die Baugeschichte der Kirche in Mistlau, die Ausmalungen mit den Nikolauslegenden, seine Bedeutung in den orthodoxen Kirchen des Ostens und das heutige Brauchtum um ihn bei uns im Westen. Die Ausstellung nimmt sowohl Bezug auf die religiöse Verehrung des Heiligen als auch auf die Bräuche rund um den populären Gabenbringer und seine wilden Begleiter. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich in Kunst und Kommerz der Weihnachtsmann, der uns heute vielfach verkauft und verkitscht durch die Weihnachtszeit begleitet, mit weißem Bart und rotem Mantel wie aus einer Coca-Cola-Werbung.

Innenraum der Nikolauskapelle in MistlauInnenraum der Nikolauskapelle in Mistlau

Eröffnung der Sonderausstellung ist am Sonntag, 25. September 2016 um 11.00 Uhr

Die Ausstellung ist bis 6. Januar 2017 im Sandelschen Museum in Kirchberg zu sehen,
an Sonn- und Feiertagen von 14.00 bis 17.00 Uhr.

Zu der Ausstellung gibt es ein Begleitbuch von Ulrich Fröhner „Die Nikolauskirche von Mistlau und ihre Wandmalereien“.

Kontakt
Sandelsches Museum, Kirchstraße 17, 74592 Kirchberg/Jagst
über die Stadtverwaltung Tel. 07954/9801-0
Internet: www.kirchberg-jagst.de
e-mail: info@kirchberg-jagst.de

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