Volkstrauertag

Gedenkfeier am Kriegerdenkmal - zum Gedenken der Gefallenen beider Weltkriege

Kriegerdenkmal Bartenstein
Kriegerdenkmal Bartenstein

Niemand von uns kennt das Ziel der Geschichte. Und dennoch treiben wir Menschen nicht einsam und haltlos im Strom der Zeit. An diesem Tag der Volkstrauer kommt zum Ausdruck, dass Menschen und Völker aus gemeinsamer geschichtlichen Erfahrung verbunden sind in einer tiefen Sehnsucht nach Versöhnung, nach Frieden und Freiheit. Gemeinsam als Volk trauern wir über um die vielen Millionen Menschen, die als Opfer von Hass, Krieg und Gewalt ihr Leben verloren.

Wir achten die sehr persönliche Trauer der Hinterbliebenen Angehörigen ihre stumme Zwiesprache an den Gräbern der Verstorbenen. Weil die Toten schweigen, beginnt wieder alles von vorn.

Damit die Toten nicht schweigen, damit wir ihre Stimme hören, begehen wir alljährlich den Volkstrauertag. Wir gedenken all der Menschen, die im 20. Jahrhundert durch Krieg und Vertreibung, durch Gewalt und Gewaltherrschaft ihr Leben lassen mussten. Und wir gedenken derer, die wegen ihrer Überzeugung, Religion oder Rasse verfolgt, geschunden und ermordet wurden.

Rose-Marie-Nauber
Ortsvorsteherin
Rose-Marie Nauber
Wir gedenken des unermesslichen Leids, das Menschen über Menschen gebracht haben - und noch immer bringen, tagtäglich, in vielen Regionen der Erde. Wir gedenken, das sagen wir heute 66 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, eher leichthin. Aber denken wir auch daran was Heinrich Böll einmal einforderte wie die Einzelnen gestorben sind, unter welchen Umständen, unter welchen Schmerzen, Flüchen, gebeten und Schreien. Und denken wir auch daran, dass neben uns noch immer viele Opfer von Krieg und Gewalt leben. Dass viele Menschen noch heute still leiden, weil sie Angehörige und Freunde verloren haben oder weil sie vertrieben wurden. Und ich spreche hier nicht nur von den Senioren, die den Zweiten Weltkrieg als Kinder oder Jugendliche miterlebt haben, die Vater oder Mutter, Freunde und Verwandte an der Front oder bei Bombenangriffen über deutschen Städten verloren haben, die in Kriegsgefangenschaft gerieten, die ihre Kindheit in Luftschutzbunkern verbrachten oder flüchten mussten. Ich spreche auch von den Flüchtlingen aus Kriegs- und Krisengebieten der heutigen Zeit, die bei uns leben, um endlich einmal Ruhe zu haben. Nachts schlafen ohne Angst dass einem das Dach über den Kopf weg geschossen wird. Über die Straße zu gehen, ohne sich vor Heckenschützen und Autobomben zu fürchten. Nach Hause kommen und alle sind noch da, gesund und am Leben — das kennen die Jüngeren hier alle nicht. Solche Gefühle und Wünsche kommen in unserem Leben gar nicht vor.

 

 

Deswegen kann es gar keine Frage sein, ob wir einen Volkstrauertag brauchen. Viele meinen ja, Volkstrauertag - das ist gestern, das ist nur Ritual, Pathos, Alibi. Sicher die Gefahr dafür ist gegeben, und sie ist umso größer, je mehr die Erinnerungen verblassen. Weil wir selbstgefällig und satt geworden sind, weil wir vergessen haben, zu trauern, zu erinnern, nachzudenken. Die Fähigkeit zu trauern ist ein Teil der Menschenwürde. Denn das Gedenken ist nicht nur eine Erinnerung an die Toten, an das Verlorene und Zerstörte, es ist auch Mitgefühl und Verbundenheit mit den Hinterbliebenen. Es ermahnt uns. Eben deswegen brauchen wir diesen Tag als Stachel im Fleisch unserer Vergesslichkeit, als Aufschrei dagegen, dass auch heute viele Menschen leiden unter Krieg und Vertreibung, Mord und Folter, Gewalt und Terror. Und es trifft in erster Linie immer Unschuldige, Frauen und Kinder, Alte und Schwache.

Gesangsverein-Bartenstein
Gesangsverein Bartenstein

Der Volkstrauertag ist also nicht nur ein Tag der toten, sondern auch der Lebenden. Er bringt uns zum Nachdenken - wie war, wie ist das alles möglich? Wie war und ist es, dass so viel Unmenschlichkeit in unserer vermeintlich so fortschrittlichen Zeit geschehen konnte? Und gerade deshalb geht der Volkstrauertag auch die Jüngeren unter uns an. Der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker formulierte es so: „Die Jungen sind nicht verantwortlich für das, was damals geschah. Aber sie sind verantwortlich für das, was in der Geschichte daraus wird."

Die Gräber und die Gedenkstätten der Opfer von Krieg, Gewalt und Terror sind nicht nur Mahnmale. Sie sind vor allem Orte die den Toten eine Stimme geben, wo diese uns sagen was sie gesehen, erlebt, erlitten haben, welchen Auftrag sie uns heute erteilen. Ihr Vermächtnis heißt: Frieden - Frieden und Achtung vor dem Leben. Zieht aus dem Geschehen die richtige Lehre. Wir müssen alles uns Mögliche tun, damit wir und unsere Kinder nie wieder in solche Situationen kommen. Wir tragen die Verantwortung dafür, dass aus der trauernden Erinnerung die Entschlossenheit wächst, und das persönliche Engagement, den Friede in uns selbst, in unserem Land, in Europa und in der ganzen Welt zu bewahren und zu sichern.

Posaunenchor-Schrozberg
Posaunenchor-Schrozberg

Dieses Engagement ist es, das heute den Einsätzen unserer Soldaten für die Völkergemeinschaft Sinn verleiht - nämlich Krieg und Terror zu beenden, den äußeren Frieden zu sichern. Unsere erste Aufgabe freilich gilt dem inneren Frieden in uns, in unserer Gesellschaft, in unserem Land. Eine Gesellschaft, die den inneren Frieden nicht bewirken und nicht sichern kann, ist zum Frieden in der Welt schlecht gerüstet. Wir wissen auch dass Unfriede und Gewalt vielgestaltig sind und dass wir oft gar nicht so genau hinsehen. Im Grund bleiben Frieden und Freiheit immer ein Wagnis. Sie müssen täglich neu errungen werden. Denken wir nur an die Gewalt gegen Natur und Kreatur, an die Gewalt auf unseren Straßen, an die Gewalt gegen Frauen und Kinder, an die Intoleranz gegenüber Andersdenkenden oder Fremden usw. Gegen die Gefährdung unseres inneren Friedens können und müssen wir alle etwas tun. Deshalb bleibt der Volkstrauertag eine stete Mahnung und Herausforderung: Halten wir das Andenken der Opfer in Ehren! Hören wir auf ihr Vermächtnis! Üben wir Frieden, im Gespräch wie im Umgang! Versuchen wir einander zu verstehen in Toleranz und Geduld! Ich wünsche uns, dass der Volkstrauertag zu einem Voksfriedestag wird.

Rede von Ortsvorsteherin:
Rose-Marie Nauber
Bartenstein

Zusätzliche Informationen