Seit 60 Jahren Anlaufpunkt für Vertriebene

Vertriebene aus Ostpreußen haben sich am Samstag in der Bartensteiner Mehrzweckhalle getroffen, um eine 60-jährige Patenschaft zu feiern

Christian-von-der-Groeben-Es begann mit einem Zufall: Der Bürgermeister der ostpreußischen Kreisstadt Bartenstein wollte in den 1940er-Jahren seiner Mutter ein Paket schicken. Dieses Paket kam zwar in Bartenstein an, allerdings nicht in Ostpreußen, sondern in Württemberg, genauer gesagt in Hohenlohe.

Nach dem Ende des Krieges und der Vertreibung der Deutschen aus Ostpreußen erinnerte sich der Journalist Willi Piehl an diese Geschichte. Gemeinsam mit Fritz Brauns, dem damaligen Bürgermeister des württembergischen Bartenstein, veranstaltete er 1952 - also sieben Jahre nach der Vertreibung - ein erstes Treffen unter dem Motto "Bartensteiner fahren nach Bartenstein". So hatten die Vertriebenen einen Anlaufpunkt und eine Gelegenheit, Bekannte zu treffen sowie über alte Zeiten und den Schmerz der Vertreibung zu reden.

Patentreffen Bartenstein / Bartenstein Ostpreußen60 Jahre ist dieses erste Treffen nun her, und schon damals versprach Willi Piehl: "Wir werden wiederkommen" - so entstand die bis heute währende Patenschaft. Auch am vergangenen Samstag trafen sich Ostpreußenvertriebene aus ganz Deutschland wieder in dem Teilort der Stadt Schrozberg.


Seit 60 Jahren schon besucht Ortsvorsteherin Rose-Marie Nauber diese Treffen. "Wir sind sehr stolz auf die so lange währende Patenschaft. Die Treffen bieten immer eine tolle Gelegenheit, über alte Zeiten zu sprechen", sagte sie.

Bürgermeister Klemens Izsak erzählte, dass er als Sohn von Vertriebenen viel über die Folgen der Vertreibung erzählt bekommen habe. "Es ist ein Wunder, dass es den Deutschen gelungen ist, den Staat wieder aufzubauen und die Flüchtlinge zu integrieren. Das ist sicherlich den politischen Mächten zu verdanken, aber auch den Menschen, die nicht resigniert, sondern ihre Chancen genutzt haben"", erklärte er und zeigte sich außerdem "froh, dass es für die Menschen aus Ostpreußen hier in Hohenlohe einen Ort gibt, an dem sie sich treffen können". Mit Blick auf die Gegenwart betonte er: "Wir müssen heute jeden Tag für unseren Wohlstand dankbar sein. So gut wie wir hatte es keine Generation zuvor."

Christian von der Groeben, Vorsitzender der Heimatkreisgemeinschaft Bartenstein/Ostpreußen, erinnerte an die Ablehnung, die die Vertriebenen in ihrer neuen Heimat zu Beginn erfahren hatten, betonte allerdings: "Umso wohltuender war vor 60 Jahren die Aufnahme der ostpreußischen Bartensteiner im württembergischen Bartenstein." Und obwohl immer weniger Besucher kommen, soll es diese Treffen noch eine Weile geben.

Quelle:
Hohenloher Tagblatt
Autor: Michael Ströbel
Fotos:  Michael Ströbel

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