Ludwig Carl Franz Philipp Leopold zu Hohenlohe‑Bartenstein

Ludwig Carl Franz Philipp Leopold zu Hohenlohe‑Bartenstein (15.November 1731 in Siegen, † am 14. Juni 1799 in Kleinheubach) folgte 1763 als regierender Fürst auf seinen Vater, Karl Philipp.

Ludwig Carl Franz Philipp Leopold zu Hohenlohe-BartensteinFürst Ludwig Carl Franz Philipp Leopold
 

1757 vermählte sich Prinz Ludwig Carl Franz Philipp Leopold (oft nur Ludwig Leopold genannt) mit Friederike Polyxena von Limburg Stirum. Mit seiner Gattin hatte Fürst Ludwig Leopold zwei Söhne und fünf Töchter:

  • Sophia Carolina Josepha Philippina Maria Anna Lucia
  • Maria Anna Elisabeth Josepha
  • Marie Leopoldine Henriette
  • Josepha Elisabetha Euphemia Rosina
  • Ludwig Alois Joachim Franz, ab 1798 Fürst zu Hohenlohe-Bartenstein und Marschall von Frankreich
  • Karl Joseph
  • Franziska Luise Henriette Ambrosia

Anfangs wohnte Erbprinz Ludwig Leopold mit seiner Familie in Schillingsfürst. Aus dem regen Briefwechsel mit seinem Vater geht hervor, dass er 1762 nur unter Druck und finanziellen Zugeständnissen bereit war, nach Bartenstein umzusiedeln. Er wurde vom Vater verpflichtet, dort mit Baudirektor Andrea Gallasini eng zusammenzuarbeiten und nahm so vor allem Einfluss auf die Innenausstattung des Schlosses.

Nach dem Tod des Vaters 1763 wurde er regierender Fürst und residierte als einziger Landesherr zeitlebens in Bartenstein. Während der Regierungszeit von Ludwig Leopold entwickelte sich Bartenstein zu einem regionalen kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Zentrum. Schloss und Stadtanlage wurden zur Barockresidenz umgebaut. Der Hofstaat wurde erweitert. Um zusätzlichen Wohnraum für gewerbetreibende und Hofangestellte zu schaffen, ließ er den Hofgarten im Süden verkürzen. Dort entstand die westliche Schlossstrasse mit den stattlichen Wohnhäusern für die höchsten Hofbeamten.

Um 1763 erhielt seine Residenz das Stadtrecht. Ludwig Leopold war ein Förderer der Künste, als Musikliebhaber unterhielt er eine eigene Hofkapelle. Am Fürstenhof arbeiteten namhafte Hofkapellmeister, z.B. Ignatz von Beeke und Johann Evangelist Brandl, der später als Hofmusikdirektor des Speyerer Fürstbischofs nach Bruchsal wechselte. Aus zahlreichen Dokumenten ist zu entnehmen, dass wöchentlich zwei Konzerte die Zuhörer erfreuten. Die Bartensteiner Musikdarbietungen wurden nicht nur von Berufsmusikern bestritten. Neben Angehörigen des Fürstenhauses wurden auch Mitglieder des Hofstaates und besonders talentierte Bürger der Residenz eingebunden. Bei der Aufführung der Zauberflöte spielte zum Beispiel Erbprinz Ludwig Alois die Rolle des Tamino, die Tochter eines Kammerdieners übernahm die Rolle der Pamina, ein Hofrat übernahm die Rolle des Papageno. Nach den Memoiren von Prinzessin Sophia hatten die musikalischen Darbietungen eine hohe Qualität. Im Hohenlohe Zentralarchiv Neuenstein lagern mehrere Meter Musikalien aus Bartenstein. Das Komödienhaus im Hofgarten aus der Zeit um 1765, in dem die Theateraufführungen stattfanden, wurde 1817 auf Abbruch an einen Kaufmann aus Niederstetten versteigert.

Fürst Ludwig Leopold zu Hohenlohe- Bartenstein,Gemälde um 1780, im Hintergrund Schloss BartensteinFürst Ludwig Leopold zu Hohenlohe- Bartenstein,
Gemälde um 1780,
im Hintergrund Schloss Bartenstein

Die Stadt wurde bis 1780 baulich erweitert, die Einwohnerzahl wuchs auf über 1000 steuerpflichtige Bürger an. Zwei Wochenmärkte wurden abgehalten und einmal pro Jahr ein Markt (Muswiese genannt), an dem über 100 Gewerbetreibende teilnahmen. Die gute wirtschaftliche Lage der Bürger war vorrangig durch die Orientierung auf den Hofstaat und den daraus resultierenden Geldströme begründet. Im Grunde war Bartenstein eine Binnenwirtschaft, die vorrangig vom Geldfluss aus dem Fürstenhaus abhängig war. Der Fürst war stets bemüht, die Versorgungslage Fürst Ludwig Carl Franz Philipp Leopold seiner Untertanen mit Nahrungsmitteln zu verbessern. So überließ er 29 Bürgern einen fürstlichen Weinberg mit der Auflage, dort Kartoffeln (Grundbirn) anzubauen.

Im Jahr 1766 litt das Land unter extremer Trockenheit. In den bartensteinischen Wassermühlen an der Ette konnte kein Getreide mehr gemahlen werden. Deshalb ließ der Fürst im hochgelegenen fürstlichen Lustgarten außerhalb des Ortes eine Windmühle errichten, um so die Versorgung der Bevölkerung mit Mehl zu sichern.

Zur Zeit der französischen Revolution fanden viele geflohene französische Adelige im Fürstentum Hohenlohe-Bartenstein Zuflucht. Auch im Schloss Gröningen und in Pfedelbach hielten sich zu dieser Zeit viele französische Emigranten auf. Unter ihnen befanden sich Mitglieder des französischen Hochadels, auch Pater Nicolas Beauregard, Beichtvater König Ludwigs XVI.

1792 stellte man in Bartenstein zum Kampf gegen die französischen Revolutionäre das Jägerregiment Hohenlohe-Bartenstein auf. 1798 dankte Fürst Ludwig Leopold nach dem Tod seiner Frau ab und wählte das Schloss Gröningen als Wohnort. Danach erfolgte die Erbteilung in Hohenlohe-Bartenstein und Hohenlohe-Jagstberg. Sohn Ludwig Aloys trat die Nachfolge als regierender Fürst zu Hohenlohe-Bartenstein an. Sohn Karl Joseph wurde Fürst zu Hohenlohe-Jagstberg.

1794 hatte die Tochter Marie Leopoldine Henriette den regierenden Fürsten Dominik Constantin zu Löwenstein-Wertheim-Rochefort geheiratet. Sie lebte auf Schloss Löwenstein in Kleinheubach. Hier verstarb 1799 Ludwig Leopold nach einem Kutschenunfall. Man setzte ihn zunächst in der Grablege der Fürsten zu Löwenstein im Franziskanerkloster Engelberg bei Kleinheubach bei. Dort ist noch heute in der Klosterkirche sein Marmor Epitaph zu finden. Später wurden seine sterblichen Überreste in die Krypta der Hofkirche Bartenstein überführt.


Text: Claus Reimann


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