Baudirektor Andreas Gallasini

In Bartenstein wurde der Platz vor dem Rathaus jetzt dem fürstlichen Baudirektor Andreas Gallasini gewidmet. So konnte neben Dr. Roeser und Jacob Hüfner der Verdienst eines weiteren Bürgers des Ortes gebührend gewürdigt werden.

Gallasini Platz in Bartenstein

Andreas Gallasini, geboren 1680 in Lugano, war Stuckateur und arbeitete sich zum Architekten von Sakral- und Profanbauten des Barock empor. Seine qualitätvollen Stuckarbeiten finden sich unter anderem in den Schlössern von Meiningen, Arolsen und Bad Wildungen. Wegen seiner großen Fähigkeiten ernannte ihn der Fürstabt von Fulda um 1730 zum fürstäbtlichen Hofbaumeister. Zu den herausragenden Arbeiten des Baumeisters gehören die Umgestaltung des Schlosses Fasanerie bei Fulda und die spätbarock-architektonische Neugestaltung des Residenzschlosses und der Stadt Fulda. In einer Dissertation von 1994 (C. Grottker) wurde das Schaffen Gallasinis ausführlich gewürdigt. In dieser Arbeit wurden allein im nordhessisch - thüringischen Raum über 10 Schlösser mit Nebengebäuden, mehr als 30 Sakralbauten und ungezählte Profanbauten als bedeutende Werke Gallasinis beschrieben. Bartenstein fehlt in der wissenschaftlichen Arbeit.

Umfangreiche Dokumente im Hohenlohe Zentralarchiv Neuenstein und in Kirchenbüchern des Amtes Bartenstein belegen die Tätigkeit Gallasinis im nordöstlichen Hohenlohe. Im Jahr 1760 stellte Carl Philipp Fürst von Hohenlohe–Bartenstein den greisen Architekten mit über 80 Jahren als Baudirektor für die barocke Umgestaltung der Residenz Bartenstein ein. Die Schaffenskraft des verdienten Baumeisters war trotz seines hohen Alters ungebrochen. Er entwarf und gestaltete die barocke Dreiflügelanlage des hiesigen Schlosses unter Einbeziehung noch nutzbarer Bauten. Er plante auch den Innenausbau einschließlich der qualitätvollen Stuckarbeiten. Zur Innenausstattung des Schlosses ist im Hohenlohe Zentralarchiv Neuenstein ein umfangreiche Schriftverkehr zwischen Fürst Carl Philipp und seinem Sohn, Erbprinz Ludwig Leopold aufbewahrt. Darin wird der Erbprinz aufgefordert, von Schillingsfürst nach Bartenstein ins Schloss umzuziehen. Doch erst nachdem der Vater gnädigst gewillt war, die umfangreichen Änderungswünsche seines Sohnes beim Innenausbau zu akzeptieren, willigte Ludwig Leopold nach langem Zögern in den Umzug nach Bartenstein ein. Gallasini setzte in enger Zusammenarbeit dessen Wünsche nach Gestaltung der Zimmerfluchten im Stil der neuesten Mode um. 1763 verstarb Fürst Carl Philipp, sein Nachfolger Ludwig Leopold war von der Qualität von Gallasinis Wirken überzeugt und beschäftigte ihn weiterhin als Baudirektor.

Luftbild-von-BartensteinDie gelungene Konzeption der auf das Schloss ausgerichteten barocken Stadtanlage in der heutigen Form mit Bürger-, Beamtenhäusern und Hofgartengebäuden ist dem italienischen Baumeister zu verdanken. Gallasini selbst bewohnte das von ihm geplante Architektenhaus am Marktplatz beim Rathaus. Er hatte das Gebäude eigens, sozusagen als Referenzobjekt für seine zukünftige Tätigkeit als Baudirektor, nach seinen Plänen im Stil des Rokoko erbauen lassen. Von hier aus konnte er hervorragend die Bautätigkeit in der Schlossstraße überwachen. Da der Bau von Bürgerhäusern mit Mansarddach dem Fürsten jedoch zu kostspielig war, wurden die Bürgerhäuser in der westlichen Schlossstraße vorrangig im schlichten französischen Stil des Barock errichtet. Mit der Gestaltung der aufwendigen, ehemals drei Stadttoren war der Umbau der Innenstadt im Sinne einer barocken Residenz abgeschlossen. Selbst für den Neubau der durch einen Blitzschlag zerstörten evangelischen Kirche von Riedbach lieferte Gallasini 1762 die Bauzeichnungen. Im Vertrag mit dem Bartensteiner Hofmaurermeister Baader (Hohenlohe Zentralarchiv Neuenstein) ist zu lesen: „Hofmaurermeister Baader baut für 1200 Gulden die Kirche in Riedbach (bei Schrozberg) nach Rissen von Baudirektor Gallasini und communiziert mit diesem.“ An der Einweihungsfeier der Kirche nahm der Architekt teil. Gallasini war es jedoch nicht mehr vergönnt, sein letztes großen Bauprojekt zu vollenden. Als er 1766 starb, vermachte er sein Vermögen in Dankbarkeit seinem Gönner, dem allseits beliebten Fürsten Ludwig Leopold zu Hohenlohe-Bartenstein. Nach seinem Tod übernahm Hofbaumeiter Wölfling, der ebenfalls das Architektenhaus bewohnte, als Nachfolger die Fertigstellung der Arbeiten in der Residenz.

GallasinihausGallasini erwarb sich als Baumeister des Barock im Fuldaer Land bis heute hohe Anerkennung. Mit der Vielzahl seiner Bauwerke hat er die Kulturlandschaft der damaligen Zeit wesentlich geprägt und dem Fürstbistum Fulda ein charakteristisches Bild verliehen. Sein letztes Schaffen im Fürstentum Bartenstein ist dagegen weitgehend unbeachtet geblieben. Es ist für Bartenstein ein Glücksfall, dass der namhafte Architekt, obwohl hochbetagt, seine Vorstellungen zur Gestaltung einer kleinen Barockresidenz zu Papier brachte und die einzigartige Stadtarchitektur Bartensteins schuf. Deshalb war es nunmehr angebracht, seine Verdienste für den hiesigen Raum angemessen zu würdigen. Nach nahezu 250 Jahren wird der Platz der sich unmittelbar an sein ehemaliges Wohnhaus anschließt, in der Mitte von Bartenstein, ihm zu Ehren benannt.

Text: Anne und Claus Reimann
Fotos: Claus Reimann

 

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