Johann Evangelist Brandl

fürstlich Hohenlohe Bartensteinischer Hofkapellmeister

1760 - 1837

Im Rahmen des Hohenloher Kultursommers führte das Ensemble der "Fürstlich Löwensteinischen HofMusic" im Schloss Schillingsfürst 2012 mehrere Stücke von Johann Evangelist Brandl auf.
Wer war dieser Brandl?

Johann Evangelist Brandl fürstlich Hohenlohe Bartensteinischer Hofkapellmeister

Hofkapellmeister Johann Evangelist Brandl

Mozart ist wohl der bekannteste Komponist des 18. Jahrhunderts. In dieser Zeit wirkten aber auch zahlreiche fähige "Kleinmeister", denen oft der Ruhm versagt blieb. Zu Ihnen gehört ohne Zweifel Hofkapellmeister Johann Evangelist Brandl. Er wurde am 14. November 1760 im niederbayrischen Rohr geboren.

Fuerst Ludwig Leopold zu Hohenlohe Bartenstein

Fürst Ludwig Leopold
zu Hohenlohe Bartenstein

Nach seiner Ausbildung zum Kirchenmusiker in Donauwörth, Eichstätt und Freiburg, verdingte er sich als reisender Musiker. 1786 erhielt er die erste feste Anstellung am Hof von Fürst Ludwig Leopold zu Hohenlohe Bartenstein.

In der Residenz Bartenstein wurde besonderer Wert auf Kirchenmusik und Opernaufführungen gelegt. Aus Brandls Wirken in der Residenz sind im Hohenlohe Zentralarchiv Neuenstein zwei Messen und zwei Fagottsonaten überliefert. Ein Mitglied des Fürstenhauses, Prinz Carl Joseph spielte das Fagott. Von Musikhistorikern wird vermutet, dass diese Werke extra für den Prinzen und die Bartensteiner Hofkapelle geschrieben wurden.

Prinz Carl August

Prinz Carl Joseph

1789 bewarb Brandl sich als Musikdirektor in Bruchsal bei August von Limburg-Styrum, dem Fürstbischof von Speyer. Dieser war ein Onkel der Ehefrau des Fürsten Ludwig Leopold, Fürstin Polyxenia zu Hohenlohe Bartenstein. Ludwig Leopold stellte seinem Hofkapellmeister für seine Bewerbung ein sehr wohlwollendes Dienstzeugnis aus. Er schrieb, Brandl hätte einen frommen, christlichen Lebenswandel geführt, sei treu, ehrlich fleißig und wäre ein rechtschaffener Diener gewesen. Er hätte ihn noch gerne weiterbeschäftigt, wollte aber seinem Wunsch nach beruflicher Veränderung nicht im Wege stehen. Er, der Fürst zu Bartenstein habe stets ein gnädiges Wohlgefallen an Johann Evangelist Brandl gehabt. Nach Brandls Weggang bestand weiterhin Kontakt zu dieser aktiv musizierenden Fürstenfamilie. Brandl sollte es an seinem neuen Dienstort in Bruchsal schwer haben. Sein Dienstherr hatte nur geringen Sinn für Musik, neigte zu Jähzorn und Streitsucht. Brandl suchte nach wenigen Jahren eine neue Verwendung. Er wechselte als Konzert- und Kapellmeister an den Badischen Hof nach Karlsruhe. Für einen Mäzen, den Colmarer Textilfabrikanten Jacques Hartmann. komponierte er zahlreiche Kammermusikstücke. Er setzte sich um 1830 zur Ruhe und verstarb 1837.

Bereits seine ersten Kompositionen fanden gute Kritiken und seine späteren Werke wurden sogar im Ausland bekannt. Seine Zeitgenossen hielten ihn für einen „der bedeutendsten und achtungswerthesten Componisten unserer Zeit“.

Wir danken Thomas Moos vom Stadtarchiv Bruchsal und Hans Peter Vogel von der "Fürstlich Löwensteinischen HofMusic" für die wertvollen Informationen.

Text: Anne und Claus Reimann
Bilder: Hohenlohe Zentralarchiv Neuenstein
und Broschüre von Fürst Ferdinand zu Hohenlohe Bartenstein aus dem Jahr 1972

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